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Georg Fülberth 4., verbesserte und erweiterte Auflage |
Georg Fülberth,
Georg Fülberth geht der Frage nach, was das überhaupt ist, wovon alle reden: Kapitalismus. Nach ihrer Klärung folgt eine Darstellung von Entstehung und Entwicklung dieser Gesellschaftsordnung vom Handelskapitalismus bis zum Neoliberalismus der Gegenwart. Sie schließt die Gegegenbewegungen ein und mündet in eine neue Frage, nämlich die nach der Dauer und dem möglichen Ende der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise. »Darauf einen 1789er!« Diesen Toast brachte Dietmar Dath in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« auf G Strich - Kleine Geschichte des Kapitalismus von Georg Fülberth aus. Das Buch sei, so Dath weiter, »eine gewaltige Wohltat«. Und Eric Hobsbawm attestierte: »Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen gelesen.« Und weil es zahlreichen anderen LeserInnen ähnlich erging, legen wir das Buch nun bereits in einer vierten, verbesserten und erweiterten Auflage vor. Dieser wurde ein Personenregister hinzugefügt. Rezension in der »Frankurter Allgemeine Zeitung«, 02.01.2006, Nr. 1 / Seite 37 Was unter dem G-Strich steht Einen Menschenschlag namens "die Intellektuellen" - als Stamm, Stand, Schicht oder gar Klasse - sollte sich die Soziologie langsam abschminken, jedenfalls solange es so leicht ist, zwischen den beiden größten, schwer antagonistischen Untergruppen dieses angeblichen Kollektivs zu unterscheiden: Hier der Freundeskreis des Bestehenden, lauter brave Weißwäscher, die ganz ernsthaft und unschuldig glauben, man könnte Informationen übers Soziale ohne Wertungen haben und verbreiten, weil sie finden, daß das alles schon mehr oder weniger ganz richtig eingerichtet ist; dort dagegen die Ankläger, belesenen Dissidenten, die asketischen Sozialisten, welche unbedingt wissen müssen, woher es kommt, daß man es auf dieser Welt unter Leuten kaum aushält. Verschiedener als diese beiden Gruppen können sich Köpfe zur Welt nicht verhalten. "Das Ereignis gehört für den Sozialisten nicht in die Rubrik ,Vermischtes', sondern ist Vorzeichen. Weil der Sozialist nie Bestände löscht und immer Gedächtniskapazität für mehr Information hat, ist seine Zukunft nie ein unbeschriebenes Blatt und muß er anders als der aktuelle, spätmediale Mensch nicht immer von vorn anfangen", schrieb die niederländische Theoriezirkelbande "Agentur Bilwet" 1993 in ihrem wegweisenden Essay "Der Sozialist und seine Medien". Wer so tickt, wie in diesem kleinen Steckbrief beschrieben, muß zwangsläufig Texte schreiben, in denen die jüngste Tarifrunde im Einzelhandel, die akuten Veränderungen im Kartellrecht, die gegenwärtige Arbeitslosenstatistik, irgendwelche Börsenströme heißer Finanzluft oder sonstige Indizes von Produktion und Verteilung nicht Ergebnisse beliebigen Vor-sich-hin-Passierens sind, sondern danach verlangen, daß jemand "Sieben Anstrengungen, den vorläufigen Endsieg des Kapitalismus zu begreifen", unternimmt oder übersichtlich die "Lehren vom Monopolgewinn" zusammenstellt. Das erste ist der Titel eines Buches, das der 1939 geborene ehemalige Hochschullehrer für Politikwissenschaften an der Universität Marburg Georg Fülberth 1991 geschrieben hat, das zweite eine Kapitelüberschrift aus seinem höchst kompakten jüngsten Werk "G Strich - Kleine Geschichte des Kapitalismus" (PapyRossa Verlag, Köln 2005. 250 S., br., 19,80 [Euro]) Einer fünfzehn Jahre alten intellektuellen Selbstbiographie dieses politischen Schriftstellers darf man entnehmen, daß Fülberth nicht beleidigt wäre, mit den zitierten Bilwet-Worten skizziert zu werden: In Frankfurt am Main vom Kleinbürgersohn und ehemaligen glücklosen Schülerzeitungspamphletisten durch Mitarbeit im SDS politisiert, wenig später in Marburg zur DKP gestoßen und dort in den späten Siebzigern als Mitautor einer "Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung" verwickelt in ein "Meisterstück kommunistischer Unterwanderung" - so seinerzeit erboste DGB-Funktionärsstimmen -, hat Fülberth die Zeit noch persönlich erlebt, in der sich Studenten der Politikwissenschaften beim Wort "DGB" noch nicht genauso unwillig abwandten wie beim Wort "DKP", ja diese beiden sogar unterscheiden konnten. Daß von Karl Marxens Lehre, die als unauflöslicher Zwei-Komponenten-Kampfstoff aus korrekter Gesellschaftsbeschreibung und revolutionärem Strategiereservoir gemeint gewesen war, wenigstens die erste Hälfte als getrocknetes und dereinst vielleicht wieder zündendes Pulver überleben kann, dafür tritt Fülberth als Entwerfer einer neuen Wissenschaft namens "Kapitalistik" ein. Daß aus dem Sozialismus nichts wurde und der Imperialismus dessen Reste verputzt hat, ist für Fülberth, weil der wissenschaftlich denkt, keine Sache der unterschiedlichen militärischen Divisionsstärken, sondern eine von historischen Gesetzen und also zum Beispiel ein guter Grund und Anlaß, Lenin und Hilferding mittels neuer Funde der Kapitalistik zu kritisieren. Fülberth verhält sich da, wenn er den Marxisten nicht einfach ihre Niederlage läßt und das Lob, tapfer gekämpft zu haben, sondern ihre theoretischen Fehler finden will, ganz orthodox marxistisch - auch wenn er's sonst nicht immer ist, sondern aus den Trümmern alter Lehrgebäude und der Tatsache, daß auf der Welt derzeit ein kalter Wind weht, oft die Notwendigkeit ganz neuen Bauens ins Ungeschützte ableitet. Dies alles macht "G Strich" zu einer gewaltigen Wohltat in Zeiten, in denen gesellschaftskritische Bücher entweder poststrukturalistische Lyrik ("Empire" und Co.) oder ungeordnete, von gelegentlichen moralischen Mißfallensbekundungen unterbrochene Aufzählungen neuester Horrormeldungen aus der Zeitungsrubrik "Arbeit und Soziales" liefern. Denn bei Fülberth weiß man stets, woran man ist, der läuft nicht morgen zur Vogelgrippeforschung über, wenn ihn das rein ökonomische Elend nicht mehr anregt. So macht er denn das Zeitfenster groß, in dem die Kräfte der Überwindung des Status quo zu sich selbst und zur Besinnung kommen können: "Wie lange es noch den Kapitalismus geben wird, wissen wir nicht. Nehmen wir einmal - ohne jede Begründung - an, er sei nicht mehr oder weniger dauerhaft als der Feudalismus. Dann hätte er noch fünfhundert Jahre vor sich", wiederholt "Georg Nostradamus" (Peter Hacks) in "G Strich" eine schon einmal anderswo geäußerte Prophezeiung und fügt als nettes kleines "Ätsch" gegen Kommunisten, die ihm angesichts der Langlebigkeit, die er dem Bösen zutraut, Defätismus vorwerfen, mit gelassener Schärfe hinzu: "Im Vergleich zur Vergangenheit und etwaigen Zukunft menschlicher Gesellschaften ist dies eine eher kurze Frist." Darauf einen 1789er. Dietmar Dath |
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