- Erschienen im März 2005
Zweite, verbesserte Auflage im August 2005
Dritte, unveränderte Auflage 4., verbesserte und erweiterte Auflage im September 2010
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- Heinz-J. Bontrup,
Prof. Dr. rer. pol., *1953. Diplom-Ökonom und Diplom-Betriebswirt. Langjährige Praxiserfahrung als Personalvorstand und Arbeitsdirektor in der Stahlindustrie. Lehrt seit 1996 als Hochschullehrer für Wirtschaftswissenschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Sprecher der »Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik«. Zahlreiche Buch und Zeitschriftenveröffentlichungen.
- Der weltweit betriebene Neoliberalismus hat die schwerste Finanz- und Weltwirtschaftskrise seit achtzig Jahren ausgelöst. Überall wurden die Gewinne zu Lasten der Arbeitsentgelte erhöht und gleichzeitig Lieder auf die »Selbstheilungskräfte des Marktes« gesungen. Der Staat gilt in diesem Kontext nur noch als »Kostgänger« und »bürokratischer Behinderer«. Als sei nichts passiert, gelten Liberalisierung und Privatisierung nach wie vor als die Heilsbringer. Die Ergebnisse sind erschreckend: Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau und Prekarisierung. Von der »Frankfurter Rundschau« als »Top-Ökonom« tituliert, bietet Heinz-J. Bontrup eine fundierte einzel- und gesamtwirtschaftliche Analyse und entwickelt ein Konzept, das weit über die Krise hinausweist: Eine Wirtschaftsdemokratie, die den allgemeinen Wohlstand erhöht und nicht nur den Reichtum einer kleinen Schicht mehrt. Wer sich auf Bontrups Standardwerk einlasse, schrieb die »Frankfurter Rundschau« zur 1. Auflage, werde »reichlich mit Erkenntnisgewinn und Argumentationskompetenz belohnt.«
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Rezension Frankfurter Rundschau:
Argumente gegen das neoliberale Einerlei
Bücher zur Kritik der herrschenden Wirtschaftspolitik gibt es wahrlich
genug. In den allermeisten wird ein ums andere Mal die neoliberale Agenda
ausgebreitet: Warum Löhne und Steuern zu hoch seien, die Arbeitszeiten
zu kurz, die Arbeitsbedingungen zu starr oder der Staat zu groß
sei. Die rot-grüne Agenda 2010 wird allenfalls als ein Anfang gesehen.
Wenige Bücher schreiben gegen den Strom an, etwa Albrecht Müllers
"Die Reformlüge" oder Peter Bofingers "Wir sind
besser als wir glauben". Heinz-J. Bontrup, Professor an der Fachhochschule
Gelsenkirchen, kräftigt mit seinem neuen Buch den Gegenstrom.
Auf 424 dicht bedruckten Seiten hat der Ökonom eine umfassende
Kritik der neoliberalen Wirtschaftspolitik zusammengetragen. Wer hier
durchhält, wird reichlich belohnt. Bontrup begnügt sich nämlich
nicht damit, nur an der Oberfläche zu kratzen. Seine wirtschaftspolitische
Agenda im letzten Kapitel des Buchs, wird in den vorangehenden drei
Kapiteln umfassend begründet. Die Stärke liegt nicht nur in
der Verknüpfung von theoretischem und empirischem Material, sondern
auch in der Doppelperspektive einer sowohl betrieblichen wie gesamtwirtschaftlichen
Sichtweise. Belohnt werden die Leserinnen und Leser immer wieder mit
exzellent ausgewählten Zitaten der Großmeister der Ökonomie
- von Adam Smith bis Paul Krugman. Deutlicher als in anderen kritischen
Publikationen arbeitet Bontrup die Geschichts- und Theorievergessenheit
der herrschenden Ökonomie - unter anderem repräsentiert durch
den Münchner Ökonomen Hans-Werner Sinn - heraus.
Arbeitsmarkt ist kein Gemüsemarkt
Dass es kein leichtes Buch ist, liegt in der Natur der Sache. Ein Beispiel:
Die prominente Behauptung von Sinn & Co., dass Arbeitsmärkte
wie Obst- und Gemüsemärkte funktionierten, ist schlicht in
ihrer Argumentation: Um auch den letzten Apfel loszuwerden, heißt
es, muss der Gemüsehändler nur den Preis senken. Genauso sei
es mit der Ware Arbeitskraft. Diesen Zusammenhang entlarvt Bontrup als
scheinbaren, bei genauerer Betrachtung sogar völlig unsinnigen.
Bontrup belässt es nicht bei einer knappen Widerlegung auf gleichem
Niveau. Er bohrt tiefer, greift grundlegende Erkenntnisse von Marx auf
und beschäftigt sich mit Theorie und Politik des neoklassischen
Arbeitsmarktes. Am Beispiel der Niederlande werden dann die theoretischen
Erkenntnisse überprüft. Diese breite Argumentation führt
zum Ziel: Nach der Lektüre kann niemand mehr seriös behaupten,
Arbeitsmärkte seien mit Obstmärkten vergleichbar!
Eingebettet ist die Frage der Funktionsweise von Arbeitsmärkten
in die konkrete Unternehmenspraxis. Hier setzt sich Bontrup mit der
Stellung und der Rolle der Beschäftigten auseinander und analysiert
personalwirtschaftliche Managementvorstellungen. Dabei geht es nicht
um eine pauschale Anklage. Vielmehr zeigt Bontrup auf, dass das Management
in der Verfolgung kurzfristiger Strategien längerfristig gegen
das eigene Interesse arbeitet, die rein betriebswirtschaftliche Rationalität
über kurz oder lang zu einem wirtschaftlichen Kurzschluss führt.
Diese Darstellung dient wiederum als Fundament für Bontrups Forderung
nach mehr statt weniger Staat, wie er sie im abschließenden wirtschaftspolitischen
Kapitel formuliert. Populär ist das sicher nicht, aber ökonomisch
begründbar.
Besondere Aktualität erfährt Bontrups Analyse, weil seine
wirtschaftspolitischen Forderungen sich weitgehend mit denen der neuen
Linkspartei decken. Ein häufiger Vorwurf gegen das Programm der
Linken lautet, es entbehre jeglicher ökonomischer Basis - es handele
sich quasi um einen Wunschkatalog linker Weltverbesserer. Bontrup dagegen
liefert mit seinem Buch den ökonomischen Kontext für die Kernforderungen
der Linkspartei: die Besteuerung von Unternehmen und Vermögenden,
Ausbau des Kündigungsschutzes und der betrieblichen Mitbestimmung.
Punktgewinn für Demokraten
Gäbe es innerhalb der ökonomischen Wissenschaften noch einen
produktiven Streit um die richtigen Analysen und Strategien, Bontrups
Buch würde als Punktgewinn für eine demokratische Wirtschaftsauffassung
gesehen werden müssen. Aber wahrscheinlich wird auch dieses Buch
erfahren, was es heißt, abseits des neoliberalen Stroms gegen
die herrschende Meinung zu argumentieren: So droht auch diesem Werk
Nichtbeachtung statt produktivem Streit. Bleibt zu hoffen, dass möglichst
viele an ökonomischen Fragen Interessierte sich auf das Buch des
Gelsenkirchener Professors einlassen. Sie werden reichlich mit Erkenntnisgewinn
und Argumentationskompetenz belohnt.
VON NORBERT REUTER, 20.09.2005 Frankfurter Rundschau
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